Analyse der drei The Thing Filme
Narration und Charaktere
Das zentrale Konzept, um das sich unsere Analyse bezieht, beruht auf dem
Neoformalismus und soll uns durch die Betrachtung der “The Thing” - Reihe
begleiten. Wir stützen uns dabei vor allem auf das von David Bordwell und
Kristin Thompson vorgeschlagene neoformalistische Filmanalysemodell und
wollen wortwörtlich erkennen, was unter der Haut von “The Thing” steckt.
Kernpunkt dieses Modell ist es, dass man mithilfe dieser Analyse nicht nur systematisch
die formalen Gestaltungspunkte untersucht und erkennt, sondern
vielmehr, dass man diese nutzt, um individuelle Bedeutungszusammenhänge
eines jeden Films zu erschließen. Daher ist es wichtig einen Fokus zu setzen
und zu erkennen, welche der “unendlichen vielen Fragen, die man einem Werk
richten könnte, die nützlichsten und interessantesten sind”. (Thompson 1955,
S. 27). Es gilt also laut eigenen Worten Thompson in jedem Film das zu entdecken,
was fasziniert oder herausfordert. (vgl. ebd.)
Bevor wir uns jedoch auf die Analyse stürzen, ist es ebenfalls wichtig sich der
Trennung von Plot (Sujet) und Story (Fabel) bewusst zu werden.
“Das Sujet ist im wesentlichen die Kette aller kausal wirksamen Ereignisse, wie wir sie
im Film selbst zu sehen und zu hören bekommen. […] Das Verständnis dieser Sujet-
Ereignisse erfordert häufig ihre geistige Umordnung in eine chronologische Reihenfolge.
Selbst wenn ein Film die Ereignisse einfach in ihrer 1-2-3-Folge präsentiert, müssen wir
deren kausale Verbindungen noch aktiv begreifen. Diese geistige Anordnung von chronologisch
und kausal verbundenem Material ist die Fabel.” (Thompson 1995, S. 55)
Wie kommen wir also von dem bloßen Geschehen, die uns der Film visuell
vorgibt zur vollständigen Handlung in unseren Köpfen? Nach Kristin Thompson
müssen wir als Zuschauer den Film aktiv schauen. Dies bedeutet metaphorisch,
dass wir für den Film ausreichendes Theoriewissen verfügen und auch in
der Lage sind dieses zu hinterfragen. (vgl. ebd. S. 51 f.) Dies bezeichnet Sie
auch als sogenanntes “background” (vgl. ebd. S. 40). Ein Filmanalytiker wird
sinnbildlich also wirklich erst im Kinosaal geformt, da man es nicht aus Büchern
erlernen kann, sondern es Film für Film miterleben muss. Denn nur dadurch
können wir “cues” im Film erfassen, die uns helfen den Film zu verstehen und
letztendlich eine subjektive Interpretation zu formulieren. (vgl. ebd. S. 49)
Einer dieser “cues” liegt in der Narrationsstruktur der Filme, welche Thompson
auch als Prozess versteht.
„Der Prozeß, durch den das Sujet in einer bestimmten Reihenfolge Fabelinformationen
präsentiert oder zurückhält, ist die Narration. Die Narration leitet den Zuschauer
demzufolge beim Sehen eines Films stets dazu an, hinsichtlich der Ereignisse der
Fabel Hypothesen zu bilden“ (Thompson 1995, S. 58).
Wie nun die Narrationsstruktur präsentiert wird und wie die Personenkonstellationen
innerhalb der “The Thing” - Filme ausschaut, könnt ihr hier in Form eines Videoessays audiovisuell nachverfolgen.
Mise-en-scène
Da nun die Grundannahmen des Neoformalismus geklärt sind, möchten wir
nun das Modell der neoformalistischen Filmanalyse nach David Bordwell und
Kristin Thompson vorstellen und es anhand der “The Thing” - Filme anwenden.
Wie der Name schon vorgibt handelt es sich also um eine mögliche Form einen
Film unter verschiedenen Betrachtungsweisen zu analysieren. Formal spielt
sich diese zentrale Analysemethode vor allem in der sogenannten Mise-en-
Scène (übersetzt: in Szene setzen) ab.
Das bedeutet, dass alles was auf der Leinwand zu sehen ist, mit unserem
“background” an filmtheoretischem Wissen betrachtet und untersucht werden
soll. Bordwell und Thompson teilen diese Inszenierung in vier Teilbereiche ein:
1) Setting
2) Licht (und Farbe)
3) Kostüm und Make-Up
4) Staging (und Editing)
Setting
Der erste zu analysierende Aspekt stellt nun also das Setting dar. Dies beschreibt die Orte, an welchem die Handlung stattfindet. Grundlegend kann man feststellen, dass natürlich in allen drei Filmen das grundlegende Setting eine Forschungsstation in der Antarktis ist. Allein aufgrund dieser Tatsache formt sich schon ein erstes, unwohles Bild beim Zuschauer über die Situation der Protagonisten.
Abb. 13 Forschungsstation „The overall design of a setting can shape how we understand story action“ (Bordwell/ Thompson 2008, S. 117) Es ist laut Bordwell und Thompson also sehr wichtig neben der Narration auch auf den vorgegebenen Handlungsort zu achten, da uns dieser wertvolle Information über die Situation, den Beziehungen untereinander oder das allgemeine Verständnis der Handlung gibt. (vgl. Bordwell/ Thompson 2008, S. 117) Beispielsweise liefert uns “The Thing” aus 1951 überwiegend Szenen aus den Innenräumen des Forschungszentrums, was zum einen natürlich den technischen Grenzen aus diesem Jahrzehnt geschuldet ist, zum anderen aber auch den Fokus auf den Charakteren und dessen Beziehungen setzen soll. Der Film ist dabei sehr inhaltsbasiert und setzt sehr viel auf Dialogen, welches sich demnach auch anhand des Settings oder besser gesagt des Framings widerspiegelt.
Abb. 14 Framing 1952
Abb. 15 Außerhalb des Forschungszentrums
Abb. 16 OP-Saal
Abb. 17 Gesellschaftsraum Anfang des Films
Abb. 18 Gesellschaftsraum Ende des Films
Abb. 19 SchneesturmLicht (und Farbe)
Kommen wir nun zum Licht- bzw. auch zur Farbgestaltung in den “The Thing” - Filmen. Diese Aspekte sind unabdingbar, wenn es darum geht Eindrücke und Stimmungen zu vermitteln.“Much of the impact of an image comes from its manipulation of lighting. In cinema, lighting is more than just illumination that permits us to see the action. Lighter and darker areas within the frame help create the overall composition of each shot and thus guide our attention to certain objects and actions.” (Bordwell/ Thompson 2008, S. 124)
Zur Lichtsetzung kann man sagen, dass innerhalb des Forschungszentrums überwiegend mit einer Low-Key Beleuchtung gearbeitet wird. Nicht gerade überraschend, da das Horrorgenre natürlich von einer düsteren Atmosphäre lebt.
Abb. 20 Lowkey
Abb. 21 Helle Außenwelt
Abb. 22 Licht auf das Ding
Abb. 23 Blaue Farbgestaltung
Abb. 24 Rote FarbgestaltungDie Farbe rot ist ebenfalls essentiell und bekommt durch den Einsatz von Feuer gegen das Ding immer mehr Platz in den Filmen. Zu erwähnen ist, dass der 1951 erschienene Teil natürlich in schwarz/ weiß gefilmt wurde, jedoch auch dort wird das Ding schlussendlich mit Feuer bekämpft. In den beiden neueren Filmen werden mit der fortlaufenden Handlung aber immer mehr Kreaturen und auch Teile der Station abgebrannt, was man symbolisch mit der Ausbreitung des Dings sehen kann. Die Farbe rot symbolisiert hier also ganz klassisch die Gefahr oder spezifischer gesagt alles was das Ding versinnbildlicht - eine infektiöse Krankheit, die sich ausbreitet oder gar der Mangel an Vertrauen an die Menschheit. Thematiken, die sich durch alle drei “The Thing” - Filme ziehen.
Der nächste zur Mise-en-Scène gehörende Aspekt ist der des Kostüms und Make-ups. Da wir, wie Bordwell und Thompson vorgeben, keine systematische Abhandlung aller formanalytischen Aspekte durchgehen, haben wir uns dazu entschieden, dass uns der Punkt Musik, Ton und Soundeffekte weitaus wichtiger erscheint und haben es hier in Form eines weiteren Videoessays, gekoppelt mit dem 4. Punkt der Mise-en-Scène, dem Staging und Editing, audiovisuell zusammengefasst.
Die Umsetzung des Dinges innerhalb der drei Filme
Im Folgenden soll die Entwicklung des Dinges abschließend audiovisuell verdeutlicht werden:Fazit
Resümierend und bezugnehmend auf die Fragestellung lässt sich sagen, dass die drei „The Thing“ Filme das Genre insofern widerspiegeln, als dass sie mit wandelnder Zeit verschiedene Ängste und Problematiken aufgreifen. Seien es Spionageängste, Viruserkrankungen oder gesellschaftliche Problematiken, wie Emanzipation. Gleichzeitig lassen sich Trends, wie Kommerzialisierung und Anpassung an Sehgewohnheiten feststellen, die auch allgemein im Genre Fuß fassen.