Filmhistorische Horrorfilmentwicklung

Da die drei “The Thing” - Filme offensichtlich dem Horror-Genre zuzuordnen ist, erfolgt hier nun eine knappe filmhistorische Entwicklung dieses Genres. Dies soll hierbei keine reine Evolution des Genres sein, sondern eher einen Überblick oder Rahmen geben, damit Filme zeitgenössisch eingeordnet werden können und deutlich wird, welche Aspekte epochentypisch sind und vor allem wie sich Horrorfilme im Laufe der Filmhistorie gewandelt haben.
Zunächst muss erstmal geklärt werden: Horror - was ist das eigentlich?
Für die Einen ist es gute Unterhaltung, für die Anderen schlechte Unterhaltung und für wieder Andere einfach nur die reine Gefährdung für pubertierende Jugendliche. Laut Definition kommt „Horror“ aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Abscheu oder Schrecken. (vgl. Duden) Horrorfilme sind also alle Filme, die bei dem Zuschauer bewusst Angst und Schrecken hervorrufen. Und hier kommt auch schon das Paradoxe - so etwas derartig Unangenehmes wie Angst, Schauer, Schrecken oder auch Ekel erzeugt etwas sehr viel Angenehmeres wie Unterhaltung und Spannung.
Ein Zitat von Vossen begründet dies mit den Worten „Die Lust am filmischen Horror ist ein Massenphänomen, das auf allgemeinmenschlichen Urängsten beruht“. (Vossen 2014, S.9) Es ist also anzunehmen, dass das Horrorgenre somit untrennbar mit den Ängsten seines Publikums verbunden ist und dementsprechend also auch von diesen negativen Emotionen der Menschen lebt.
Kommen wir nun zur eigentlichen filmhistorischen Horrorfilmentwicklung. Da der erste “The Thing” - Film aus dem Jahre 1952 ist, starten wir mit der Entwicklung in den 50er Jahren an. allgemein zu den 50ern kann man sagen, dass in den ersten Nachkriegsjahren die Nachfrage nach Horrorfilmen sehr stark zurückging. Der Direktor des Pariser Nationaltheaters erklärte dies mit den Worten „Vor dem Krieg wusste jeder, dass die Geschehnisse auf der Bühne unglaublich sind. Heute wissen wir, dass solche Dinge – und noch schlimmere wahr sein können.“ (Wikipedia)
Zu diesem nachlassenden Interesse an dem Genre kam auch allgemein eine Art Kino-Krise, da Fernseher nun nach und nach massentauglicher wurden. Erst ab Mitte der 50er konnten Horrorfilme, wie Frankenstein mehr oder weniger wiederbelebt werden. Maßgeblich dafür verantwortlich war die Hammer Film Production aus London, die unteranderem Dracula, aber eben auch Frankenstein neuverfilmten und bis heute einer der etabliertesten Studios sind, was Horror und Science-Fiction Filme angeht. Und diese Kombi aus Horror und Sci-Fi war es auch, was zeitgenössisch für die 50er war. Außerirdische Monster kamen hinzu, z.B. eben das Ding aus einer anderen Welt von 1951 oder der allseits bekannte Godzilla aus dem Jahr 1954. Aber auch neue Subgenres entstanden und zeigen, wie eng die Wandlung des Horrorfilms mit der Wandlung der Menschen einhergeht. So hat z.B. die Angst, die die Atomindustrie mit sich bringt, die Idee mit den Strahlenmenschen beeinflusst. Aber auch durch radioaktive Strahlung entstandene Mutanten, wie im Film Tarantula von 1955. (vgl. Wikipedia)

Abb. 1 The Thing (1951)

Abb. 2 Godzilla (1954)
Abb. 3 Tarantula (1955)

Zu Beginn der 60er Jahre kam dann eine starke inhaltliche Wende des Horrorfilms. Ein Meilenstein dafür war der 1960 erschienene Film von Alfred Hitchcock mit Psycho. Hier wurde mehr oder weniger erstmals nicht mit dem subtilen Beängstigen durch klassische Filmmonster gearbeitet, sondern mehr durch die direkte Bedrohung des Lebens der Protagonisten durch brutale, zu allem entschlossene Psychopathen, wie eben der durch Identitätsstörung leidenden Serienmörder Norman Bates. Ein weiterer entscheidender Schritt war für dieses Jahrzehnt “Die Nacht der lebenden Toten” (Night of the Living Dead, 1968) des Regisseurs George A. Romero. Man kann sagen, dass hier der Startpunkt für eine bis dahin noch nicht ganz so populäre Form des Monsters gelegt wurde - den Zombies. Eigenständig agierende Untote, die sich von Menschenfleisch ernähren und die Zivilisation als Ganzes bedrohten. (vgl. 2 Kaever 2014)

Abb. 4 Psycho (1960)

Abb. 5 Repulsion (1965)
Abb. 6 Night of the living dead (1967)


Kommen wir nun zu den 70er - Jahren, da gab es im Zuge der Lockerungen der Zensurbestimmungen einen weiteren sehr starken Wandel des Horrorfilms. Nämlich, dass Horrorfilme immer brutaler wurden und weitere Subgenres entstanden wie etwa der Slasher-Film oder der Splatter-Film. Ein Beispiel hierfür wäre A Bay of Blood (1971). Zudem wurde sich oft mit dem Okkultismus, also dem Parnormalen oder Übersinnlichen beschäftigt - wie etwa beim „The Exorcist“ von 1973. Daran kann man unter anderem erkennen, wie wichtig die Spezialeffekte geworden sind, aber auch wie Urängste, wie der Angst vor dem Teufel, wieder aufgegriffen werden.
Generell wurde in diesem Jahrzehnt aber auch sehr viel experimentiert . Beispielsweise wurden Teufelsfratzen gezeigt, aber nur mit einer Bruchteil einer Sekunde, sodass der Zuschauer es nur im Unterbewusstsein wahrnehmen soll oder im Film „ Alien- das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979), der über sehr weite Strecken mit dumpfen pochenden Herzschlägen unterlegt war. (vgl. Vogelmann)

Abb. 7 Bay of Blood (1971)

Abb. 8 The Exorcist (1973)
Abb. 9 Alien (1979)

Zu guter Letzt fassen wir die Zeit von 1980 bis heute zusammen. Dies wurde bewusst so gewählt, da genau ab den 80er Jahren aufgrund des Kommerzes vor allem Fortsetzungsreihen von erfolgreichen Filmen die Leinwand eroberten. Oder eben Remakes, wie es bei The Thing der Fall war. Natürlich haben sich zudem noch weitere Subgenres etabliert oder besser gesagt weiterentwickelt, wie die sogenannten Torture-Porns mit Hostel und Saw. Dennoch muss man sagen, dass ein großer Teil des besonders im neuen Jahrhundert kommerziellen Horrorfilms sehr von Hommagen und Remakes, sowohl amerikanischer als auch asiatischer Filme geprägt war bzw. Immer noch ist. (vgl. Bolzen)

Abb. 10 Evil Dead (1981)

Abb. 11 The Thing (1982)
Abb. 12 Saw (2004)


Quellen